Fausstadt Knittlingen

Knittlingen liegt in Baden-Württemberg im nördlichen Enzkreis am Übergang des Kraichgaus in den Stromberg.
Nachbargemeinden sind von Nord nach Süd: Oberderdingen, Bretten, (beide Landkreis Karlsruhe), Ölbronn-Dürrn, Maulbronn und Sternenfels (alle Enzkreis).

Stadtgliederung
Die Stadt Knittlingen besteht aus den drei Stadtteilen Stadt Knittlingen, Freudenstein-Hohenklingen und Kleinvillars. Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden mit entsprechenden Namen. Sie bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Im Stadtteil Freudenstein-Hohenklingen ist eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
Der Stadtteil Freudenstein-Hohenklingen besteht aus den Dörfer Freudenstein und Hohenklingen, die beide zusammengewachsen sind. Zum Stadtteil Kleinvillars gehört das Dorf Kleinvillars. Zum Stadtteil Knittlingen gehören die Stadt Knittlingen, das Gehöft Büschlehof und die Häuser Pflegmühle und Störrmühle. Im Stadtteil Knittlingen liegen die Wüstungen bzw. Wirtschaftsflächen Weisach, Oberhofen und Altenhofen.

Geschichte
Auf der Gemarkung Knittlingen wurden Zeugnisse aus den meisten vorgeschichtlichen Perioden gefunden. Die topographischen exponierten Plätze dieser Gegend wurde von Menschen wiederholt aufgesucht, besiedelt und befestigt. Neben den Besiedlungen auf dem Land gab es auf der „Knittlinger“ Anhöhe, die von einem breiten Wassergürtel schützend umgeben war, eine dauerhafte Siedlung. Man vermutet ein jungsteinzeitlicher, später keltischer Wohnsitz.
Archäologen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg fanden Tonscherben die rund 6500 Jahre alt sind. Damit ist bewiesen, dass in Knittlingen und Umgebung frühe Kulturvölker sesshaft waren, auch Römer, schließlich war der Limes nur 60 Kilometer weit entfernt und die Landwirtschaftlichen Erträge aus der fruchtbaren Gegend den Söldnern zugutekamen.

Als „des Landes Württemberg Vormauer und Grenzfeste gegen die Pfalz“ wurde Knittlingen im Jahre 843 erstmals urkundlich erwähnt, damals noch als „Cnudelingen“. 1148 erwarb das ein Jahr zuvor fertig gestellte Kloster Maulbronn die Rechte über Knittlingen, hier entstand dann auch einer der sieben Pfleghöfe des Klosters.

Die Stadt wurde 1360, 1632 und 1692 jedes Mal vollständig zerstört und hatte auch sonst durch Belagerungen, Brände, Plünderungen viel zu leiden.

Pfalzgraf Philipp zog von hier am 10. Mai 1534 mit seinen Truppen nach Lauffen und bezog im dortigen Wiesental und auf den Seugbergen Lager. In den folgenden Jahrhunderten erlitt Knittlingen mehrfach große Zerstörungen – so etwa 1360 durch den rheinischen Pfalzgrafen, im 30-jährigen Krieg 1632 durch die Truppen des Kaiserlichen Generals Ernesto Montecuccoli, außerdem 1692 durch die Franzosen. Durch die teilweise verheerenden Brände wurden viele historische Gebäude in Mitleidenschaft gezogen, zum Teil gänzlich zerstört.

Die wichtige Handelsstraße von Frankfurt am Main über Speyer nach Cannstatt führte mitten durch Knittlingen.

Bis ins 13. Jahrhundert beziehungsweise 14. Jahrhundert zurück reicht auch die Geschichte von Knittlingens Teilorten „Freudenstein“ (um 1251 erstmals urkundlich als „Frodenstein“ erwähnt) und Hohenklingen (1312 erstmals schriftlich genannt).

Das Waldenser-Dorf „Kleinvillars“ wurde 1699 von reformierten Glaubensflüchtlingen aus dem Piemont gegründet.

Die Eingliederung von Kleinvillars in die Stadt Knittlingen erfolgte am 15. Februar 1972, die Eingemeindung von Freudenstein-Hohenklingen am 9. August 1975.

Großen Einfluss auf die Entwicklung städtischen Lebens hatte 1490 die Idee der Taxis-Dynastie (seit 1650 Thurn und Taxis), vom niederländischen Mechelen bis ins österreichische Innsbruck eine Stafettenpost zu Pferde einzurichten und in Knittlingen eine Poststation zu eröffnen.

Knittlingen gehörte dem Kloster Maulbronn an und somit seit Anfang des 16. Jahrhunderts zu Württemberg. Ab 1806 war Knittlingen Teil des Oberamts Maulbronn, 1840 wurde dem Ort offiziell das Stadtrecht verliehen. Von 1938 bis 1972 gehörte Knittlingen zum Landkreis Vaihingen, seit dessen Auflösung zum Enzkreis im Regierungsbezirk Karlsruhe.

Räumliche Entwicklung
Die heutige Stadt wurde am 9. August 1975 durch Vereinigung der Stadt Knittlingen und der Gemeinde Freudenstein neu gebildet. Bereits am 15. Februar 1972 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Kleinvillars nach Knittlingen eingemeindet. Großvillars, das bis 1972 teilweise zu Knittlingen gehörte, kam im selben Jahr an die Gemeinde Oberderdingen.

Religion
Das religiöse Leben in Knittlingen ist sehr vielfältig. Neben drei für die verschiedenen Ortsteile zuständigen

  • Evangelischen Gemeinden und christliche Gemeinschaften
  • Römisch-katholischen Pfarramt Heilig Geist
  • Evangelisch-methodistische Kirche
  • Neuapostolische Kirche (mit zwei Gemeinden) vertreten.

Kirchengemeinde Knittlingen
 Eine Kirche wird bereits 1148 erstmals erwähnt. 1422 wird sie St. Georgskirche genannt. Sie lag außerhalb der Stadt und war wohl früh Pfarrkirche für Knittlingen, Diefenbach und Freudenstein sowie für Maulbronn. 1289 war sie dem Kloster Maulbronn inkorporiert. Nach Zerstörung der Kirche wurde diese im 18. Jahrhundert abgetragen. In der Stadtmitte bestand eine Kapelle, die der Muttergottes sowie Johannes dem Täufer und Johannes Evangelist geweiht war. Sie wurde nach der Reformation evangelische Hauptkirche der Stadt. Das Schiff und der Turm stammen aus dem 13. Jahrhundert, der Chor ist spätgotisch.

 

Kirchengemeinde Freudenstein
Die Kirchengemeinde Freudenstein (etwa 1.000) umfasst die Stadtteile Freudenstein und Hohenklingen der Stadt Knittlingen. Die Kirche St. Gallus (so ab 1601) war weißenburgisches Lehen. Die heutige Kirche wurde 1753 erbaut. Im Stadtteil Hohenklingen gibt es eine spätgotische Filialkirche.

Kirchengemeinde Kleinvillars
Die Kirchengemeinde Kleinvillars umfasst den Stadtteil Kleinvillars der Stadt Knittlingen. Der Ort ist eine Waldensersiedlung, die ab 1699 auf Gemarkungen der Stadt Knittlingen und der Gemeinde Ölbronn entstand. Eine Kirche wurde erst 1737 erbaut. Politisch bildete Kleinvillars bis 1826 eine Gemeinde mit dem benachbarten Großvillars, wurde dann selbständige Gemeinde. Die zunächst reformierte Kirchengemeinde Kleinvillars wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in die württembergische Landeskirche eingegliedert. Seit 1876 wird der Ort von der Nachbarpfarrei Ölbronn betreut.

Einwohnerentwicklung

  • 1500: etwa 2000
  • 2005: 7.614
  • 2007: 7.700
  • 03/2009: 7.927
  • 12/2010: 7.718
  • 2011 7.830



Politische Verhältnisse (Gemeinderat)
Die Kommunalwahl am 8. Juni 2009 ergab folgende Sitzverteilung:
CDU 33,6 %; SPD 26,2%; Alternative Liste 19,4%; Parteilose Wählervereinigung 20,8%

Wappen
 Die Blasonierung des Wappens lautet:
„In Silber ein goldener Abtsstab, beheftet mit zwei schräggekreuzten schwarzen Knitteln.“

 

Partnerschaften
Knittlingen unterhält seit 11. Juni 2010 Partnerschaften mit den zwei Südspanischen Gemeinden Benaojan und Montejaque. Diese resultierte von der Einwanderungswelle in den 60er.

Wirtschaft und Infrastruktur
Die größten Firmen in Knittlingen sind:

  • Richard Wolf, Endoskope
  • Kieselmann, Ventile, Anlagebau
  • Sita Deutschland, Entsorger
  • Nypro Healthcare (Schlosser Medizintechnik)
  • Vargus Neumo Ehrenberg Group

Weiter sind mittelständige Unternehmen sowie Handwerk, Dienstleister und Handel in Knittlingen ansässig. Zwei Industriegelände wurden erschlossen.

Autostraßen Bahn und Bus
Wichtigste Verkehrsanbindung ist die Bundesstraße 35, die zu den Autobahnen Pforzheim, Bruchsal, Karlsruhe führen.

Im Stadtteil Kleinvillars befindet sich der Bahnhaltepunkt Knittlingen-Kleinvillars. Er liegt an der württembergischen Westbahn und wird von der Linie S9 der Stadtbahn Karlsruhe bedient. Es gibt in Knittlingen eine Bahnhofstraße und ein Bahnhofsgebäude die jedoch nur auf dem Papier existiert (mehr unter Knittlinger „Bahntheater“)

Knittlingen gehört zum Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis (VPE); aus und ins KVV-Gebiet gelten auch KVV-Fahrkarten.

Bildung und Lehranstalten
Knittlingen ist Schulzentrum für den Nordwestlichen Enzkreis. Mit der Dr.-Johannes-Faust-Schule gibt es eine Grund-, Haupt- und Realschule. Viele Schüler besuchen die die Lehrastalten aus den umliegenden Orten. Im Ortsteil Freudenstein gibt es eine weitere Grundschule. Daneben gibt es fünf Kindergärten (zwei gemeindliche, zwei evangelische und einen römisch-katholischen Kindergarten).

Kultur und Sehenswürdigkeiten, Bauwerke

  • Altstadt mit Fachwerkhäuser
  • Altes Rathaus
  • Pfleghof
  • Kelter
  • Steinhaus
  • St. Leonhardskirche
  • Schillerblick
  • Weinberge
  • Gleisbrückle (frühere Grenze zur Pfalz)
  • Richtstätte



Museen

  • Faustmuseum
  • Faustarchiv
  • Walters Oldtimermuseum



Persönlichkeiten, historisch und zeitgenössisch

  • Nach gesicherten Quellen ist Knittlingen der Geburtsort des wandernden Magiers, Alchemisten und Wahrsagers Georg Johann Faust, geb. um 1480
  • Prof. Dr. Stephan Gerlach, geb. 1546, Superintendent und Probst der Universität Tübingen
  • Valentin Cleß, geb. 1561, wirkte in der nordafrikanischen Wüste als Dekan
  • Friederike Braun, geb. 1795 Komponistin, Schriftstellerin und damalige Schönheit, Frau des Dramatikers Ludwig Robert
  • Justinus Kerner, Schüler in der Knittlinger Lateinschule (1795 bis 1799)
  • Friedrich Schiller passierte 1782 Knittlingen auf der Flucht vor dem württembergischen Herzog
  • Ignaz Hotz, Mundharmonikamacher und Erfinder der Knittlinger „Okrtav“ (Hohner) ab 1824 in Knittlingen ansässig
  • Friedrich Winker, geb. 1883, Landtagsabgeordneter (SPD)
  • Eduard Leuze, geb. 1906, FDP, Mitglied des Bundes- und Landestags BaWü.
  • Adolf Steinhofer, geb. 1908, Chemiker, Vorstandsvorsitzender der BASF AG
  • Heimatort von Manfred Durban, geb. 1942 und Bernd Hengst geb. 1947, Bandmitglieder der legendären Schlagerband „Die Flippers“



Knittlinger Themen
Georg Johann Faust, auch Jörg Faust, wahrscheinlich um 1480 in Knittlingen geboren, gestorben um 1541 in oder bei Staufen im Breisgau. Er war ein wandernder Wunderheiler, Alchemist, Magier, Astrologe und Wahrsager. In allen Zeugnissen über Faust, die zu seinen Lebzeiten niedergeschrieben wurden, erscheint Faust immer mit dem Vornamen Georg oder Jörg. Von einem Johann Faust wird erst mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod geschrieben, weil er selbst wohl den damals inflatorisch häufig verwendeten ersten Vornamen Johann aussparte. Aus Berichten über Faust entstand in Verbindung mit älteren Magiergeschichten die Faust-Sage. (mehr bei „Faustgeburtshaus“)

Posthalterei Thurn und Taxis
Im Jahr 1490 richtete der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. die erste regelmäßig betriebene Postroute Europas zwischen Innsbruck und den Niederlanden ein. Knittlingen ist 1495 und 1499 als Poststation belegt. 1499 als Poststation aufgegeben, wurde es 1563 erneut Station und ersetzte Diedelsheim bei Bretten. Die Postverbindung brachte viel Leben in die Kleinstadt. (mehr bei „Poststation“)

Mundharmonika
Der Name Knittlingen ist mit der Geschichte der Mundharmonika, manchmal auch eher respektlos „Mundharfe“ oder gar „Goschenhobel“ genannt, eng verbunden. Um den Frauen die Arbeit am Spinnrad kurzweiliger zu machen, kam Ignaz Hotz auf den Gedanken, Spielwerke in die Spinnräder einzubauen, die Volkslieder und geistliche Lieder spielten, wenn das Rad surrte. Sein Sohn Matthias Friedrich war es, der Knittlingen als Mundharmonikastadt weltbekannt machte. Indem er die zweite Platte eine Oktave tiefer stimmte als die Grundplatte, hatte er die Konzert-Mundharmonika erfunden, die als „Knittlinger Oktav“ in die Geschichte eingegangen ist.

GPS Koordinaten von Knittlingen: Breitengrad : 49.0275, Längengrad : 8.7539

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