Poststation - Thurn und Taxis

Allgemeines
 Die Familie Thurn und Taxis hat das europäische Postwesen maßgeblich mitgeprägt.
 
Taxis
Das aus dem italienischen Camerata Cornello bei Bergamo stammende Geschlecht der Taxis nannte sich ursprünglich Tasso (= Dachs), eingedeutscht Dax, Daxen woraus sich der Name Taxis entwickelte. Im französischsprachigen Postvertrag von 1505 zwischen Philipp dem Schönen und Franz von Taxis wurde die Familie de Tassis genannt.
Erst mit der Adelung in den Jahren 1512 und 1514 durften sie sich von Taxis nennen. In Spanien und französischsprachigen Ländern blieb es bei de Tassis. Deren Stammreihe beginnt 1251 mit Homodeus de Tazzis.

Thurn
Nachdem die Brüsseler Taxis 1624 in den erblichen Grafenstand erhoben worden waren, brauchten sie zur Legitimierung und dem Aufstieg in den Hochadel einen weiteren Titel. Alexandrine von Taxis beauftragte Genealogen, die Herkunft der Taxis zu klären. Diese behaupteten, dass die Taxis vom italienischen Adelsgeschlecht der Torriani, bzw. della Torre, abstammten, die bis 1311 in Mailand und der Lombardei geherrscht hatten. So wurde 1329 ein Volveno della Torre urkundlich erwähnt. Daraufhin beantragten die Taxis beim Kaiser eine Namensänderung. Bei der Eindeutschung wurde der Turm (Torre) zu Thurn, und der Turm wurde als Wappenmehrung hinzugefügt.
 
Thurn und Taxis
Ab 1650 durften sich die Brüsseler Taxis mit Erlaubnis Kaiser Ferdinands III. von Thurn, Valsassina und Taxis nennen, woraus Thurn und Taxis wurde, im französischsprachigen Raum de la Tour et Tassis. Auch der Innsbrucker und Augsburger Zweig der Familie benannte sich um.
 
Das Postunternehmen Thurn und Taxis
Als erster richtete Franz von Taxis einen gut organisierten Kurierdienst in Italien ein und legte an der Wende zum 16. Jahrhundert den Grundstein für die Entwicklung eines internationalen Postwesens. Durch die Einrichtung der Poststationen konnte ein Brieftransport zwischen Innsbruck und Brüssel in fünfeinhalb Tagen bewältigt werden. 1615 belohnte Kaiser Mathias die Verdienste der Familie, indem er das Amt des kaiserlichen Generalpostmeisters zum Erblehen im Mannesstamm erhob.
 
Das 17. Jahrhundert stand ganz im Zeichen des gesellschaftlichen Aufschwungs der Thurn und Taxis. Im diesem Jahrhundert stieg die Familie vom Reichsfreiherrenstand (1608) zum erblichen Reichsgrafenstand (1624) - und im Jahre 1695 unter Kaiser Leopold I. in den Reichsfürstenstand auf.
 
Kaiser Franz I. ernannte Fürst Alexander Ferdinand im Jahre 1748 zum Prinzipalkommissar, das heißt zum kaiserlichen Repräsentanten am Immerwährenden Reichstag in Regensburg.
 
Bis zum Ende des Alten Reiches bekleideten die Fürsten aus dem Hause Thurn und Taxis dieses kostspielige und prestigeträchtige Amt. Eine Auflage des Kaisers war der Umzug der Familie von Frankfurt nach Regensburg.
 
Der Umzug der Familie mit dem gesamten Hofstaat nach Regensburg brachte der Stadt nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung. Auch das kulturelle und gesellschaftliche Leben erfuhr eine große Bereicherung. So schuf Fürst Carl Anselm aus der 2330 Bände umfassenden Privatbibliothek die fürstliche Hofbibliothek, die seit dem Jahre 1786 jedermann gebührenfrei offensteht. Auch das Regensburger Theater und der bis heute so einzigartige Alleengürtel um die Altstadt gehen auf Fürst Carl Anselm zurück.
 
Das gesellschaftliche Leben richtete man stets im Stil des Wiener Kaiserhofes aus. In Regensburg, der alten Römersiedlung und mittelalterlichen Kaisermetropole begann mit dem Einzug der an den großen europäischen Adelshäusern orientierten Familie Thurn und Taxis eine neue Zeit, die bis heute andauert.

Die Post in Deutschland / Württemberg
Im 12. Jahrhundert entwickelte sich in Deutschland ein ausgedehntes Botenwesen. Erst 1490 wurde jedoch die Postlinie von Innsbruck nach Mecheln eingerichtet (heute Mechelen in Belgien). Es war eine Poststrecke die keine Privatpost transportierte sondern nur Post der „Obrigkeit“, Kaiser Rudolf II. belegt diese Einrichtung 1597 mit kaiserlichen Vorrechte (Regal). Berittene Kuriere brachten verschlossene Pakete (Felleisen) von Station zu Station. Die Reiter mussten ein Pferd unterhalten, lesen und schreiben können und Wegkenntnis haben. Ihr Ziel führte meistens zu einer bestimmten Wirtschaft. Das waren die ersten Poststationen.
Zuerst wurde die Post nur unregelmäßig befördert, also nur wenn Bedarf war. Dann führte Kaiser Karl V. zeitlich genau festgelegte Reitpostkurse ein. 1519 werden zwischen Ulm und Rheinhausen bei Trier Poststationen eingerichtet. Angeritten wurden die Orte Elchingen (Kloster Neresheim), Altenstadt bei Geislingen, Ebersbach an der Fils, Enzweihingen, Knittlingen, und Bruchsal.
Bei der Vergabe der Rechte zur Posthalterei gab es zwischen den Herzögen von Württemberg und dem Haus Taxis oft Gerangel, einmal wegen der Konfession und vor allem wegen den privatrechtlichen Verträgen mit den Posthaltern.

Wir wissen durch erhalten gebliebene Poststundenzettel dass die Postreitstaffel von Mechelen nach Innsbruck fünf Tage und elf Stunden brauchte, dabei legten Sie eine Strecke von 682 Kilometer zurück, in der Stunde zehn Kilometer.
 
Das Amt als Postmeister war sehr begehrt, es begleitete ein hohes Ansehen. Posthalter-familien vererbten meistens die einmal erworbene Stelle an die Kinder oder den zweiten Ehemann; Ehen wurden oft unter den Posthalterfamilien abgeschlossen. Wenn wirklich mal ein Wechsel war bzw. einer Posthalterei ein neuer Posthalter zugewiesen wurde (Lehensträgerschaft) dann hatte es mit finanziellen Schwierigkeiten zu tun oder der Posthalter kam mit dem Gesetz in Konflikt.
 

Posthalterei Knittlingen
Dass Knittlingen bei der Vergabe der Posthaltestellen vorranging behandelt wurde lag auf der Hand: Es war schon immer ein Grenzort der von uralten Heeres- und Handelsstraßen tangiert wurde und eine Befestigung hatte, die zur Garnison ausgebaut werden konnte. (Der Ortskern zu dieser Zeit schon befestigt).
Weil im Landshuter Erbfolgekrieg, 1504 bis 1505, Knittlingen Württembergisch wurde, vorher gehörte es zur Pfalz, mussten die Reisende die Grenze am „Gleisbrückle“ zwischen Knittlingen und Bretten passieren. Später war es auch ein Herr Schiller, 1782, der seiner württembergischen Heimat „Lebe wohl“ sagte.
 
Die Heer- bzw. Handelsstraße hatte bei Knittlingen eine berüchtigte und gefährliche Stelle, die „Knittlinger Steige“, eine Passage im Wald zwischen Maulbronn und Knittlinger Gemarkung. Die Reiter und später Kutschen mussten dort einen Hohlweg befahren der steil abfiel und links und rechts mit dicht bewaldet war. Räuber und anderes Gesindel konnten fast unbeschadet die Reisenden überfallen und ausräubern.
Diese Wegstrecke war wegen des Gefälles gefürchtet und weil kein fester „Straßenbelag“ vorhanden war. Im Naturboden wurden zwar Steine verlegt, doch die Witterungen ließ kein komfortabler Weg zu, Matsch und Steine rutschten immer wieder ab.
Vom Knittlinger Pfleghof aus reparierte man die Straße in der Steige. Dort waren Gerätschaft und Material bzw. Steine die in den Knittlinger Steinbrüche geschlagen wurden. Man vermutet dass Soldaten im Pfleghof stationiert waren die für die Sicherheit des gefährlichen Streckenabschnitts verantwortlich waren.

Die erste Posthalterei in Knittlingen war von 1495 bis 1556 im „Löwen“, im ältesten Gasthaus in der Marktstraße untergebracht. Der Löwenwirt Hans Harschauber war vermutlich Metzger und hatte für die Posthalterei ein Reitpferd zu halten. Die damaligen Metzger waren zur Beförderung und Zustellung von Post- und Paketsendungen privilegiert (Metzgerpost).
Sie waren zum Ankauf von Vieh sowieso ständig unterwegs und durften beim Posttransport ein Horn benutzen um an den Stationen eine schnellere Abfertigung zu erlangen.
Harschauber kündigte den Postdienst weil die Bezahlung zu schlecht war. Einer seiner Postreiter „Jörg“ beförderte jedoch nur Teile des Postaufkommens.
Mit dem darauffolgenden Postmeister Hans Fritz aus Löfferswilheim kam auch der Unmut der Bürger, des Gerichts und des Schultheiss, nicht gegen die Person, sondern gegen die Unruhe die die Poststation mit sich brachte. Sie beschwerten sich beim Herzog von Württemberg, es sei störend wenn nachts die Stadttore für die Postreiter und Postkutschen hochgezogen und herabgelassen werden müssen. Außerdem wandeln Fremde im „fleck“ mit Laternen umher und pinkeln an die Hauswände.
 
Daraufhin wurde außerhalb der Stadtmauer am „Oberen Tor“ 1556 mit dem Bau des Posthofes begonnen. Auf diesem Gelände war die Poststation bis 1812 untergebracht. Der letzte Posthalter Heinrich Grub verlegte dann 1812 die Poststation nach Illingen, Gebäude und Gelände wurde verkauft.

Die Posthalterei war kein einträgliches Geschäft, auch die Knittlinger Posthalterei war davon betroffen. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts befand sie sich in einer ständigen wirtschaftlichen Notlage. Dazu hat vor allem die Eröffnung einer Posthalterei im Jahre 1744 im Nachbarort, dem Pfälzischen Bretten, beigetragen. Knittlingen ging dadurch die Nord-Süd-Verbindung verloren. Aber auch der Bau neuer Straßen hat dazu geführt, dass die Verkehrsverbindung über Knittlingen ins Abseits geriet (Wie wir wissen führt nach Knittlingen keine Bahnstrecke).
 
Über das Vermögen der letzten Posthalter und Posthalterinnen in Knittlingen wurden im Jahre 1790 mehrere sogenannte „Ganntverfahren“ eröffnet (Römisches Recht der Verbindlichkeit der Gattin zu Bezahlung der ehelich-gesellschaftlichen Schulden). Dabei handelt es sich um die Konkursverfahren nach württembergischem Recht.
 
Interessant ist, dass es in Knittlingen 1800 eine kleine fehlgeschlagene Revolution nach französischem Vorbild gab. Wie weit sich der letzte Posthalter Heinrich Grub in die Unruhen einbrachte bzw. die „Revolution“ schürte, ist nicht bekannt. Wenn man sich vorstellt, dass er für das gesamte Jahr 1800 mit nur 100 Gulden vergütet wurde, wäre es nicht verwunderlich. In diesem Jahr wurde wegen des Krieges der Postkurs völlig eingestellt.
 
Im Sommer 1812 werden die über 300 Jahre alten Poststationen von Knittlingen und Enzweihingen aufgelöst und nach Illingen und Schwieberdingen verlegt. Sein Postanwesen erwirbt Tobias Vollmer, der im Gebäude die Wirtschaft „Zum Rössle“ einrichtet, Hof und Ställe werden zu landwirtschaftlichen Zwecken genützt.
 
Das endgültige aus kam am 6. bzw. 7. April 1945. Englische Flugzeuge bombardierten das von Franzosen besetzte Knittlingen. Zum Oper fielen die Zehntscheuer, das damalige Schulhaus und ein Gebäude in der Freudensteiner Straße. Auch das „Rössle“ wurde zerstört, unerklärlicherweise erst am 7. April 2045 gegen 0.30 Uhr. Niemand hat den Versuch unternommen das historische Gebäude zu löschen und es brannte bis zum Grund nieder. Wie wenn das nicht Zerstörung genug wäre, das einzige Relikt, der Torbogen zum Posthof, wurde niedergerissen und zerschlagen. Das um 1620 vom neuen Postmeister Wilhelm Hundtbiss ausgebaute Postgelände zierte ein Torbogen. Auf dem stand in Stein gemeißelt:

 

Der Herr gäb Glück und Heil dem Haus// und treib alles Übels fern daraus, //
zu dienen ohn all Beschwerde, // drin arm und reich erfreuen werde.//
Johann Wilhelm Hundtbiss und Anna Magdalena Keglen 1624

Das an dieser Stelle erbaute „Neue Rathaus“ wurde am 22. Mai 1954 eingeweiht, der darunter liegende Keller hat bis August 2013 überlebt. Der Gewölbekeller wurde dann zugeschüttet, darauf entsteht ein zweistöckiges Parkdeck.

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